Was Veganern oft gesagt wird – Argumente gegen Veganismus

Früher gab es für mich viele Argumente gegen Veganismus.

Vor etwa einem Jahr konnte ich für vegane Kost nur ein müdes Lächeln und maximal einen Augenverdreher abgewinnen. Vegetarische Ernährung war für mich ja noch ok. Aber vegan ist dann halt doch a bissl übertrieben.

Aber warum eigentlich? Warum werden VeganerInnen in unserer Gesellschaft so gedisst?

 

Hier die häufigsten Argumente gegen Veganismus:

  1. Entwicklung von Mangelerscheinungen: „Viele Nährstoffe bekommt man nur aus Produkten tierischen Ursprungs. VeganerInnen schaden sich selbst, weil sie sich mangelernähren. Das ist dumm.“

  2. Übertriebene ethische Bedenken: „Sie machen einen auf Anti-Tierindustrie. Aber den Tieren in Österreich geht’s ja eh gut.“

  3. Fleisch gehört zu unserer Kultur und Entstehungsgeschichte: „Sie grenzen sich durch ihre Selbst-Kasteiung aus unserer Gesellschaft aus. Fleisch, Milchprodukte, Eier, Leder usw. gehören nun mal zu unserer Kultur. Außerdem leugnen sie ihre Gene – Menschen waren immer schon Alles-Fresser.“

  4. Ersatzprodukte: „Sie wettern über Fleischesser, greifen dann aber selbst zu ungesundem Fleisch- und Käse-Ersatz. Lächerlich!“

Alles Anschuldigungen, die ich vor gar nicht so langer Zeit noch selbst vertreten habe. Aber woher habe ich damals diese Argumente genommen? Woher diese Überzeugung?

Irgendwie haben das alle anderen auch gesagt. Schließlich raten auch Mediziner meistens von veganer Ernährung ab. Und die müssen’s ja wissen. Also dachte ich auch so.

Ich kannte keine Ernährungsstudien über Veganismus. Und ich kannte österreichische Schlachtungsmethoden nicht und ich hatte mir generell noch nie kritische Gedanken zu diesem Thema machen wollen.

Tierische Produkte gehörten für mich nun mal zum Leben. Und alle, die gegen den Strom schwimmen, sind komisch. Basta.

Ich hatte schon lange vor, mich diesen Argumenten gegen Veganismus zu widmen. Ist etwas dran?

 

Zuerst möchte ich mich mit dem häufigsten Gegen-Argument zu Veganismus befassen:

 

Gesundheitliche Bedenken bei veganer Ernährung.

VeganerInnen und Mangelernährung

Die Academy of Nutrition and Dietetics (ADA) veröffentlichte 2009 ein Positionspaper, in dem deklariert wird, dass vegane Kost gesund und bedarfsgerecht sei. Und zwar für alle Altersgruppen, auch für Schwangere, Stillende, Kinder und auch für SportlerInnen.

Dennoch – bei pflanzenbasierter Kost kann lt. ADA die Aufnahme von Vitamin B12, Kalzium, Vitamin D, Eisen und langkettigen Omega-3-Fettsäuren bei unausgewogener Ernährung verringert sein. Die Bioverfügbarkeit ist bei manchen Nährstoffen aus Pflanzen geringer als bei tierischen Produkten.

Eine ausreichende Versorgung ist aber möglich: Bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, die neben viel Obst und Gemüse auch wichtige Lebensmittel, wie zum Beispiel Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte integriert.

Jene Nährstoffe, die für VeganerInnen kritisch werden können, wollte ich mir genauer ansehen. Hier meine Erkenntnisse aus der Studie und auch ein bissl was von meinem Senf dazu.

 

Langkettige Omega-3 Fettsäuren

…sind bekanntlich in fettem Fisch enthalten.

VeganerInnen können sie in ausreichender Menge über Leinsamen, Nüsse, Rapsöl und Soja aufnehmen. Zwar nicht so leicht, aber es ist möglich. Und der Vorteil daran ist, dass man sich bei dem Verzicht auf den Fisch auch das schädliche Cholesterin erspart.

 

Eisen

…wird in pflanzlicher Form über Bohnen, Getreide und Samen geliefert.

Ja, es wird aus Pflanzen ebenfalls in geringerem Ausmaß als aus tierischen Produkten aufgenommen. Die Bioverfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Quellen ist also geringer, als aus tierischen.

Gesundheitsbewusste VeganerInnen behelfen sich deswegen mit Tricks, um ihre Eisenaufnahme zu unterstützen: indem sie Kaffee und Tee zu Mahlzeiten meiden und stattdessen zu Vitamin C-reichen Säften, wie ganz normalem Orangensaft greifen. Eisen sollten VeganerInnen im Auge behalten – genauso wie Alles-Esser.

Eine ausreichende Versorgung mit Eisen durch rein pflanzliche Kost ist absolut möglich – aber nur bei gesunder, ausgewogener, vielseitiger Ernährung. Lieber das gesunde Müsli mit Orangensaft zum Frühstück, statt Kaffee mit Marmelade-Croissant.

 

Kalzium

…ist noch soein heißes Thema. Hier kommen die Milchprodukte ins Spiel. Seit jeher wird ja gepredigt, dass Milchprodukte wichtig für unsere Kalzium Zufuhr sind.

In dem unten genannten Paper lese ich aber etwas Interessantes: Der Konsum von Fleisch, Fisch, Milchprodukten, aber auch von Getreide und Nüssen produziert im Körper Nierensäure. Zum Abbau der Nierensäure muss der Körper den Knochen ironischerweise Kalzium entziehen, was zu einem erhöhten Kalzium Verlust über den Urin führt.

Im Gegensatz dazu entstehen bei der Verdauung von Obst und Gemüse Nieren-Alkaline, die den Verlust von Kalzium über den Urin wiederum reduzieren.

In dem Artikel steht, dass unabhängig davon, ob es sich um Fleisch-Esser, Vegetarier oder Veganer handelt, alle gleichermaßen wahrscheinlich einen Kalzium Mangel entwickeln können. Interessant, oder?

Dass Milch und Fleisch sehr viel Kalzium enthalten, heißt also möglicherweise noch nicht, dass wir deswegen auch genügend davon abbekommen. Wichtiger ist wohl eher, den Obst- und Gemüseanteil auf unseren Tellern zu erhöhen.

Ich frage mich, warum trotz solcher Studienergebnisse unseren Osteoporose-Omis immer noch Milchprodukte empfohlen werden..

 

Vitamin D

…wird ja bekanntlich dank Sonnenlicht in der Haut produziert und ist auch in tierischen Produkten enthalten.

VeganerInnen, die Vitamin D nicht supplementieren, sind laut Studie (siehe unten) von einem Mangel gefährdet. Die Autoren berichten, dass Vitamin D auch in Hefe enthalten ist. Ich kann allerdings nicht herausfinden, wie viel Hefe und in welcher Form (ob als Hefeflocken oder -teig) VeganerInnen zu sich nehmen müssten, um ihren Bedarf damit zu decken. Ich vermute allerdings, dass es für VeganerInnen wohl doch empfehlenswert wäre, Vitamin D im Laborbefund kontrollieren zu lassen und nach ärztlicher Absprache gegebenenfalls zu supplementieren.

Nur so am Rande: Wegen ihrem hohen Gehalt an B-Vitaminen sind Hefeflocken jedenfalls sowieso eine riesen Bereicherung für unsere Küchen!!

 

Vitamin B12

– noch so ein leidiges Thema. Dieses Vitamin ist ausschließlich in tierischen Produkten enthalten und muss von VeganerInnen unbedingt supplementiert werden. Punkt. Basta. Da gibt’s echt kein Schlupfloch. Keine natürlich pflanzliche Alternative. Leider!

 

Das schöne an der Studie ist, dass die Hauptaussage eine sehr revolutionäre ist:

Die vegane Ernährung ist mit der Supplementation von Vitamin B12 und gegebenenfalls Vitamin D die gesündere Alternative zur Alles-Kost. VeganerInnen leben gesünder und haben bei vielen verschiedenen Krankheiten ein deutlich geringeres Erkrankungsrisiko.

Nun höre ich schon diese zweifelnde Stimme in mir, mit dem Argument, Supplementation von Vitamin B12 und D sei doch nicht natürlich! Was hat das Einwerfen von Pillen noch mit Ernährung zu tun, das sind doch eindeutig Beweise, dass tierische Produkte in unsere Ernährung gehören bla bla bla bla………

Ja, es ist nicht natürlich, die pflanzliche Ernährung durch Pillen zu ergänzen. Vielleicht wäre das ein Argument, selten, aber doch zu Fleisch zu greifen.

Andererseits denke ich, dass bei unserer üblichen Alles-Kost, bei der es meistens keine einzige Mahlzeit ohne tierischen Produkten gibt, das Einnehmen von Pillen früher oder später unausweichlich ist. Blutdruck-Senker, Cholesterin-Senker und so weiter gehören dann zum Alltag…

Es stellt sich auch die Frage, ob das Fleisch auf unseren Tellern noch ein natürliches Produkt ist.

Beim besten Willen. Fleisch hat seinen Wert, seine Gesundheit und seine ethische Vertretbarkeit in unserer Gesellschaft verloren.

Aber das ist ein anderes Thema, das ich mir auch noch vorknöpfen will.

 

Die genannte Studie, zum Nachlesen:

http://www.vrg.org/nutrition/2009_ADA_position_paper.pdf

 

 

One Reply to “Was Veganern oft gesagt wird – Argumente gegen Veganismus”

  1. […] habe versucht, mir diese Frage zu beantworten. In diesem Artikel befasse ich mich mit den zahlreichen Vorwürfen, die VeganerInnen gern an den Kopf geworfen […]

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