Die Krux mit der Kuhmilch – Warum ich lieber pflanzliche Milch trinke.

Statt Kuhmilch trinke ich lieber pflanzliche Milch

Je mehr ich mich über Kuhmilch informiere, desto schockierter bin ich, was für ein Nackapatzl ich auf diesem Gebiet bin. Denn hinter dem makellosen Weiß versteckt sich so viel Irrglaube.

Kuhmilch steht in Verruf, der Gesundheit zu schaden.

Mit dem Suchwort „Dairy Intake“ finde ich in wissenschaftlichen Datenbanken allerhand Publikationen, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Milch und Milchprodukten befassen. Wie ich mich so durch den Studien-Dschungel durchacker, fällt mir auf: Oft widersprechen sich die wissenschaftlichen Aussagen über Kuhmilch komplett. Während die eine Studie behauptet, Milch würde die Knochendichte verbessern, liest man in der Nächsten, Milch hätte keinerlei Auswirkungen auf Knochenbrüchigkeit und Osteoporose Häufigkeit. Die Einen behaupten, Milch wäre eine wichtige Kalziumquelle, die anderen schreiben, Milch verursacht Krebs.

Die Frage bei wissenschaftlichen Studien ist jedenfalls immer die nach dem Sponsor. Wer gab die Studie in Auftrag? Denn auf die Ergebnisse einer von Danone gesponserten Studie würde ich eher nicht aufbauen. Und gibt es Verbindungen zwischen den Autoren und der millionenschweren Milch-Wirtschaft?

Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass hier ein riesiger Interessenskonflikt aufklafft: Ein Produkt, das schon länger in Verruf steht und die Milchindustrie, die für einen ergiebigen Wirtschaftszweig steht. Sieht so aus, als würden Geld und Gesundheit gegeneinander in den Ring geschickt werden.

 

Ein Blick auf die Studienlage: Kuhmilch und ihre gesundheitlichen Auswirkungen.

Relativ unbestritten scheint die Studienlage über Zusammenhänge des Milchkonsums mit dem Risiko, an verschiedenen Krebserkrankungen, nämlich Prostata- oder Gebärmutter- und Eierstockkrebs, zu erkranken. Manche Studienautoren beschwichtigen diese Ergebnisse mit der Aussage, Milchkonsum würde aber dafür das Darmkrebsrisiko senken. Hm. Muss ich für einen gesunden Darm dank Milchkonsum wirklich ein dadurch gesteigertes Gebärmutter-Krebsrisiko in Kauf nehmen? Könnte ich statt Milch nicht auch ballaststoffreiche Kost für die Darmgesundheit zu mir nehmen? Weil ich überzeugt davon bin, dass es bessere Lösungen gibt, greife ich für meinen Kalzium Bedarf lieber öfter zu Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Samen. (1) (2)

Besonders interessant ist aber auch die Studienlage zu dem gut behüteten Knochen-Mythos: Verbessert Milchtrinken die Knochendichte? Hier scheiden sich die Geister. Die Einen berichten über bessere Knochengesundheit durch Milchprodukte und geben sogar Empfehlungen ab, täglich drei Milchprodukte zu sich zu nehmen. Die Anderen erkennen in Untersuchungen keinerlei Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Knochendichte. Ihnen zufolge kann Milchtrinken vor Knochenbrüchen im Alter nicht schützen. (3)

Ganz verständlich ist die Sorge um mögliche Auswirkungen auf unseren Hormonhaushalt. Schließlich ist Kuhmilch Muttermilch für Kälber und dazu gedacht, ihr Wachstum zu fördern und sie zu kräftigen. Wachstums-Hormone möchte man eigentlich nicht gern im eigenen Hormonhaushalt mitpfuschen lassen. Hierzu gibt es nämlich Studien, die Hautprobleme wie Akne in Zusammenhang mit Milchprodukten bringen. Aber viel beunruhigender finde ich dann doch die inneren Auswirkungen, die lange unerkannt bleiben können. Die in Milch ganz natürlich enthaltenen Östrogene dürften sich beispielsweise auch negativ auf männliche Fruchtbarkeit auswirken. (4) (5)

Wie gesagt, über die gesundheitlichen Auswirkungen gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Das macht Studien über negative Folgen durch Milchkonsum aber nicht weniger beunruhigend. Sie sind mit ein Grund, weshalb ich mich frage, ob wir Milchprodukte überhaupt brauchen, oder ob wir die darin enthaltenen Inhaltsstoffe nicht genauso über weitaus gesündere Wege, nämlich durch pflanzliche Quellen, decken könnten.

  • Die ARTE-Dokumentation ‚Milch – ein Glaubenskrieg‘ befasst sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Kuhmilch. (Update: Das Video ist auf Youtube leider nicht mehr verfügbar.)

 

Ungewollte Nebenprodukte: Wer denkt noch an die Kälber?

Etwa 65% der erwachsenen Weltbevölkerung hat eine Laktose-Unverträglichkeit. Der Verbrauch von Milch und Milchprodukten ist in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen. Die Tatsache, dass immer mehr Europäer Milch verdauen können, beruht auf einer Genmutation, quasi als Anpassungserscheinung an den menschlichen Milchkonsum über das Säuglingsalter hinaus. Das Betroffene Gen ist nämlich bei Säuglingen noch aktiv, um die Muttermilch verdauen zu können, schaltet sich jedoch im Zuge des Wachstums meistens ab. Eine Laktose-Unverträglichkeit merken Betroffene an Müdigkeit, Migräne und Verdauungsproblemen, wie Bauchschmerzen nach Milch, Kakao, oder Produkten wie Vanillemilch. Es rumort dann laut in den Darmschlingen und Blähungen, Übelkeit oder Durchfall können auftreten. Dies bleibt oft unerkannt, da Personen mit Laktose-Unverträglichkeit meist Milchprodukte, wie Käse oder Joghurt trotzdem problemlos verdauen können. (6)

Worüber bei der Milcherzeugung nur ungern gesprochen wird, sind die Kälber, die zur Milchgewinnung geboren werden. Sie werden nach der Geburt bald vom Muttertier getrennt und bekommen Ersatzmilch. So weit ist der Mensch also gegangen, dass er nach dem persönlichen Abstillen einem anderen Säugetier die Milch nimmt. Und der dafür erzeugte Säugling ist nur das Wegwerf- und Nebenprodukt.

Zu hart formuliert? Vielleicht. Die Kälber haben schließlich schon noch einen Nutzen, da sie entweder auch zu Milchkühen großgezogen werden, oder als Kalbfleisch verkauft werden.

Mir bleibt dieses Bild im Kopf, dass der Mensch die Kälber zur Seite schiebt, um sich selbst an den Euter zu hängen. Für ein Produkt, das er nicht verträgt, das ethisch absolut unvertretbar ist und das möglicherweise sogar seine Gesundheit gefährdet.

Kranke Welt.

 

  • Die ORF-Dokumentation ‚Milch um jeden Preis‘ wirft einen kritischen Blick auf die österreichische Milchindustrie.

 

Das Produkt ‚Kuhmilch‘: Zum Schluss bleibt nur noch der Name.

Was ist das Produkt ‚Milch‘ heute und was war es früher?

Auf einer Reise hörte ich einmal eine Inderin erzählen, dass manche Familien in indischen Dörfern bis vor gar nicht so langer Zeit noch ihre eigene Kuh besaßen. Diese Kuh hat ab und an einmal ein Kalb geboren. Dann hatte die Familie, solange die Kuh das Kalb säugte, ebenfalls Milch zur Verfügung, die sie mit Wasser verdünnten und mit anderen Dorfbewohnern teilen konnten.

Wie geht es unseren Kühen, deren Milch im Supermarktregal steht? In der österreichischen Milchindustrie handelt es sich um riesige Ställe. Die Milchkühe leben darin etwa sieben Jahre lang, meist ohne Ausgang. Sie werden maschinell befruchtet, gebären lebenslang Kälber. Mit den Jahren häufen sich Entzündungen und Krankheiten, sodass auch bei Bio-Milchkühen Antibiotika eingesetzt werden. Nach etwa sieben Jahren sind die Milchkühe gesundheitlich so verbraucht, dass sie in LKWs gepackt und zum Schlachthof geführt werden. Das Fleisch kommt dann als Billigfleisch auf den Markt. Hinter dem Alpenrind aus Österreich, das es bei McDonalds gibt, versteckt sich nämlich vor allem eins – Milchkühe, die ausgedient haben. (siehe ORF-Doku oben)

Die Milch dieser Kühe wird abgepumpt, pasteurisiert, homogenisiert und auf verschiedene Weisen behandelt. Im Regal findet man schließlich eine weiße Mischung aus tausenden von Milchkühen, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Produkt zu tun hat.

Ich muss über meine Naivität lachen. Oder weinen? Lange Zeit dachte ich, Milchkühe würden einfach so ihr Leben lang Milch geben. Dass dafür – wie bei jedem anderen Säugetier auch – ein Säugling gezeugt und geboren werden muss, war mir irgendwie nicht klar. Die Milch in der Packung hatte für mich dann alle Zwischenschritte übersprungen. Als wäre sie von einer einzigen, glücklichen, kalblosen Kuh auf der Weide direkt in die Packung geflossen.

Die Milch, die verkauft wird, hat aber nur noch wenig mit ihrem Ursprung zu tun. Lediglich die auf den Karton gedruckten Kühe erinnern daran.

 

Ich trinke selbstgemachte, pflanzliche Milch.

Wenn ich erzähle, dass wir nur noch pflanzliche Milch trinken, kommen meist Einwände wie:

  • Ist das nicht teuer?

Es kommt darauf an, welche Milch man herstellt. Reismilch kommt sogar an die Spottpreise der Kuhmilchindustrie heran. Nussmilch kostet dann schon mehr – selbstgemacht aber deutlich weniger, als im Handel.

  • Ist in diesen Ersatzprodukten nicht total viel Chemie drin?

Nein. Unsere Pflanzenmilch besteht aus einer Handvoll Reis/Getreide/Nüsse/Bohnen auf eineinhalb Liter Wasser. Nothing else. Außer ich gebe noch Vanillepulver, Zimt oder Datteln dazu. Was genau in Kuhmilch enthalten ist, weiß der Konsument hingegen nicht.

Warum ich keine Kuhmilch mehr trinke, sondern pflanzliche Milch selbst herstelle.

  • Ist das nicht auch umweltbelastend?

Kommt wieder darauf an, was ich für die Pflanzenmilch verwende. Bohnen, Getreide, oder Haselnüsse bekommt man aus Österreich. Cashewnüsse, oder Reis, haben hingegen schon eine weitere Strecke zurückgelegt. Der Ressourcenverbrauch von Milchkühen ist jedenfalls größer – nicht nur durch Kraftfutter, dem Soja aus Brasilien untergemischt wird, sondern auch durch Treibhausgase und den Bedarf von riesigen Ackerflächen, die für Milchkühe angebaut werden müssen.

  • Darf man das dann noch ‚Milch‘ nennen?

Ich glaube, der Verbraucher definiert das Produkt Kuhmilch nicht mehr durch seinen Ursprung, nämlich der trächtigen Milchkuh im Stall, sondern vielmehr durch den Nutzen der Milch, wie dem Latte macchiato, Kakao etc. Vom Ursprung der Kuhmilch lässt die Industrie nämlich nur sehr verzerrte Infos an den Konsumenten heran. Das Produkt Kuhmilch soll vom Konsumenten nicht mit Anbindehaltung, Enthornung, Krankheit und der Schlachtung der Kühe und Kälber in Verbindung gebracht werden.

Wenn die Menschen ihre Milch also eher durch die Verwendung des Produktes definieren, verdient die Pflanzenmilch, die ich in der Früh über mein Müsli gieße, genauso die Bezeichnung ‚Milch‘.

 

Quellen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Replies to “Die Krux mit der Kuhmilch – Warum ich lieber pflanzliche Milch trinke.”

  1. Liebe Valerie,
    dein Beitrag ist sehr gut recherchiert und dazu auf einer angenehm wahre Weise geschrieben – ich hoffe du verstehst was ich damit meine. Gründe gibt es (für mich) genug, nicht die Säuglingsnahrung einer anderen Spezies zu trinken. Um es mal etwas provokant zu formulieren. Und ehrlich gesagt schmecken mir die Alternativen tatsächlich auch wesentlich besser. Toll, dass du auch direkt Video-Material zum Thema verlinkt hast.
    Hab einen schönen Tag
    Joanna <3

  2. Liebe Joanna,

    Vielen Dank für die lieben Worte!

    Liebe Grüße,
    Valerie

  3. Wow, ein wirklich super gut recherchierter und geschriebener Beitrag! Ich muss gestehen früher eine wirklich leidenschaftliche Kuhmilchtrinkerin gewesen zu sein. Vor einiger Zeit habe ich aber (durch solche Beiträge wie deinen und einige Dokus sowie vegan lebende Freunde) auch begonnen, mir mehr Gedanken zu der Thematik zu machen. Ich muss zugeben, dass es mir am Anfang wirklich schwer gefallen ist, auf Kuhmilch zu verzichten. Nicht nur, weil die pflanzlichen Alternativen einfach anders schmecken und auch eine andere Konsistenz haben (da muss man erstmal das Richtige für sich finden), sondern auch, weil die Alternativen in den Läden häufig mit Stoffen voll sind, die ich in meiner Milch nicht haben will (z.B. Zucker). Seitdem ich aber herausgefunden habe, wie man die pflanzlichen Alternativen ganz einfach und günstig selbst macht und mich an den Geschmack gewöhnt habe, habe ich fast gar kein Problem mehr damit auf Kuhmilch zu verzichten. Ab und zu wandert alle paar Monate aber leider bei mir immer noch ein Liter Kuhmilch aus dem Biomarkt in meinen Einkaufswagen (häufig für Besuch), daran arbeite ich noch.
    Liebste Grüße

  4. Liebe Tina,
    Danke für dein Feedback!
    Anfangs habe ich für Besucher auch noch manchmal Kuhmilch gekauft. Jetzt koche ich, bevor Besuch kommt, eine Cashew-Vanille-Milch (wie auf meinem Bild oben in der Glas-Kork Flasche). Da freut sich eigentlich jeder drüber, weil sie fancy aussieht und geschmacklich sehr mild ist 🙂
    Liebe Grüße,
    Valerie

  5. Ich bin nicht die erste, die das schreibt, aber trotzdem – das ist ein sehr gut recherchierter und geschriebener Artikel! Fast schon eine Seltenheit bei der heutigen Fülle von „10 superkrasse Tipps, Wimperntusche wieder zum Leben zu erwecken“ und ähnliches. Ich musste meinen übermäßigen Milchkonsum samt -produkten wegen Schilddrüsenprobleme stark eingrenzen, verzichte also nicht komplett darauf aber zu einem großen Teil. Pflanzenmilch mache ich gerade nicht selbst, werde aber demnächst wieder damit anfangen. Vielen Dank für Deinen Artikel!

    1. Liebe Kateryna,
      Vielen Dank, das freut mich sehr!
      Und ja, selbstgemachte Pflanzenmilch ist die Mühe absolut wert!
      Liebe Grüße!

  6. Ganz toller Artikel, sehr schön übersichtlich und so so wichtig. Ich lebe schon lang so ziemlich vegan(der Käseappetit hat noch lange angehalten), aber seit ich selbst eine Tochter habe, die ich lange gestillt habe, kann ich den Gedanken kaum ertragen, dass ich Kuhbabys ihre Muttermilch wegtrinken soll.
    Und es gibt massenweise Alternativen, die mir inzwischen auch viel besser schmecken. Das Umdenken ist eben im ersten Moment schwierig, man eckt außerdem so schnell an. Aber mir ist es das wert und ich fühle mich viel zufriedener und fitter, seit ich voll und ganz milchfrei lebe.
    Super jedenfalls, dass du deine wichtigen Gedanken teilst!

    1. Liebe Josi,
      Das ist schön zu hören! Vielen Dank für dein Feedback!
      Alles Liebe!

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