Säbelzahnhaxn, Mammut-Steak, Wollnashornspeck: Fleisch und die menschliche Evolution

Fleisch und die menschliche Evolution – waren wir Menschen immer schon Alles-Fresser?

Man hört es so oft: Menschen haben immer schon Fleisch gegessen und es hat ihnen noch nie geschadet. Aber ist das wirklich so?

 

Unsere Evolution

Zunächst möchte ich mal kurz eine Auffrischung aus dem Geschichte-Unterricht machen. Also aus dem interessanten Teil des Geschichte Unterrichts 😉 – nämlich aus der menschlichen Urgeschichte.

Die menschliche Entwicklungsgeschichte reicht etwa 20 Millionen Jahre zurück. Damals entwickelten sich die Hominiden, aus denen später die Menschenaffen und der Mensch entstanden.

Unsere menschlichen Vorfahren zweigten lange Zeit später, vor etwa 5 Millionen Jahren, von ihren engsten Verwandten, den Schimpansen, ab.

Schließlich, vor etwa 2 Millionen Jahren entwickelte sich Homo sapiens, also unsere Wenigkeit breite Masse. Ein großer Unterschied von Homo sapiens zu seinen Verwandten ist die Jagd auf größere Säugetiere.

 

Vor etwa 2 Millionen Jahren kosteten wir zum ersten Mal Fleisch

Dennoch entwickelten wir uns nicht zu Fleischfressern, denn dieser Zug war schon lange abgefahren – schließlich waren unser Körper und unser Verdauungssystem bereits seit 18 Millionen Jahren auf ein Leben als Pflanzenfresser spezialisiert.

Diäten wie die „Paläo Diet“ stützen ihre Theorien also nur auf unsere letzten 2 Millionen Jahre – also auf die letzten 10 Prozent unserer Geschichte und nicht auf unsere eigentlichen Ursprünge.

Es lässt sich allerdings aus vielen (unten gelisteten) Studienergebnissen herauslesen, dass unsere Körper nach wie vor gemäß der vorhergehenden 90 Prozent unserer Geschichte funktionieren.

Damals aßen wir nämlich noch genau wie unsere nächst verwandten Menschenaffen: Obst, Gemüse, Wurzeln, Blätter, Samen, Körner, Nüsse. Kurz: Pflanzlich und viel, viel, viel – wirklich viel! – Ballaststoffe. Diese unverdaulichen Bestandteile konnten Forscher nämlich tatsächlich in sehr großen Anteilen im menschlichen, versteinerten, veganen Kot von Urmenschen finden.

Als hätten wir nicht größere Sorgen, als in Häufchen von Steinzeit-Menschen herum zu stochern…

 

Unsere nächsten Verwandten

Schimpansen und Bonobos sind beinahe Veganer: Ihre Kost ist nur zu 1,7 Prozent tierisch. Ganz selten greifen sie also zu Termiten, Ameisen, Regenwürmern und Schnecken. Schimpansen jagen auch kleinere Säugetiere. Untersuchungen von Biologen an Bonobos in Kenia ergaben, dass sich ihr Konsum von tierischem Protein jedoch nicht auf ihre Nährstoffversorgung auswirkt. Ihren Bedarf an Proteinen decken sie über Pflanzen.

Von den 20 Millionen Jahren unserer Existenz haben wir uns etwa 18 Millionen Jahre lang pflanzlich ernährt. Ab und zu ist ein Wurm, oder ein Insekt mitgegangen (und hat gleich unseren geringen Bedarf an Vitamin B12 gedeckt). Wir haben uns ausgewogen ernährt und 100 Prozent unserer Nährstoffe aus Pflanzen bezogen, so wie es unsere haarigen Verwandten heute immer noch tun.

 

Zurück zu Homo sapiens, dem Jäger und Sammler

Vor 2 Millionen Jahren haben wir also langsam begonnen, hin und wieder etwas für unseren Stamm zu erbeuten. Als Jäger und Sammler bestand unsere Ernährung aber immer noch zu großen Teilen aus Pflanzen.

Mit der Eiszeit und der Wanderung des Menschen in kältere Gebiete mussten wir dann doch schon intensiver jagen. Neben dem Sammeln von Beeren, Kräutern und Pilzen, hatte die Jagd einen großen Stellen- und Überlebenswert. Es wurden unter anderem Mammuts, Vögel, Eier, Fische, Wildrinder, Pferde und Bisons erbeutet.

Die letzte Eiszeit begann vor etwa 150.000 Jahren und endete vor etwa 10.000 Jahren – verglichen mit unserer Entstehungsgeschichte ist das nicht einmal ein Fingerschnipp. Selbst die letzten 200.000 Jahre sind nur 1 Prozent der Zeitspanne seit unserer Evolution vor etwa 20 Millionen Jahren.

Zu dieser Zeit haben wir uns nach und nach sesshaft gemacht und begonnen, Nutztiere zu halten. Vor 40.000 bis 10.000 Jahren begannen wir also annähernd regelmäßig Fleisch zu essen. Dass wir deswegen an Herzinfarkt und Schlaganfall versterben könnten war uns damals noch herzlichst wurscht, weil wir ja ohnehin im Normalfall sehr früh an Infektionskrankheiten, Durchfall und ähnlichem verstarben.

Fleisch hat sich also erst seit den sesshaften 1% unseres Aufenthalts auf diesem Planeten als Bestandteil unserer Ernährung eingegliedert.

 

Zusammengefasst: Fleisch gehört zu unserer (Erfolgs-) Geschichte

… In mageren Zeiten hat es uns Brennstoff für unser leistungsstarkes Hirn geliefert und unser Überleben gesichert. Fleisch hatte in Jäger-und-Sammler-Zeiten auch einen sozialen Status und eine gesellschaftliche Bedeutung.

Aber die mageren Zeiten sind vorbei – uns steht rund um das Jahr eine große Auswahl an Gemüse, Obst, Getreide, Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten zur Verfügung. Unser Nahrungsangebot entspricht eher dem unserer pflanzenbasierten Herkunft und nicht dem der letzten Eiszeit. Dank unserer Medizin dürfen wir außerdem mit einer sehr hohen Lebenserwartung rechnen und müssen uns nicht mehr Gedanken machen, wie wir am schnellsten an eine wärmende, energieliefernde Fettschicht herankommen.

Die Frage ist meist eher: Wie werden wir das Wamperl wieder los?

 

Wir sollten aus der (Über-) Fülle an Lebensmitteln jene wählen, die uns bis ins hohe Alter gesund halten.

 

 

Aber heißt das jetzt, dass wir die letzten 200.000 Jahre in unseren Ernährungsplänen einfach so ignorieren können? War das alles nur ein fleischiger Ausrutscher? Kann man davon ausgehen, dass wir uns in dieser Zeit nicht an tierische Produkte gewöhnt haben?

Ich mein – 200.000 Jahre! Sie mögen zwar nur 1 Prozent unserer Existenz darstellen, aber immerhin das LETZTE Prozent.

Hm.

Ist der menschliche Körper nun unserem Ursprung als natürlicher Pflanzenfresser treu geblieben, oder hat uns die jüngste Vergangenheit zu Alles-Essern um erzogen?

 

Ein Blick über unseren heutigen Tellerrand zeigt, dass es nach wie vor ursprüngliche Zivilisationen gibt, die sich vegan ernähren. Interessanterweise stößt man bei ihnen auf keine unserer häufigsten Todesursachen.

Liegt dies an mehr Bewegung, generell einer gesünderen Lebensweise, oder kann man tatsächlich einen Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Vorteilen und der ursprünglichen, veganen Lebensweise finden?

Zum Glück gibt es viele, viele Studien zu diesem Thema, die ich alle durchackern und posten will.

Im nächsten Artikel dann. 😀

 

 

Quellen

  1. Exploring the contribution and significance of animal protein in the diet of bonobos by stable isotope ratio analysis of hair: Vicky M. Oelze, Benjamin T. Fuller, Michael P. Richards, Barbara Fruth, Martin Surbeck, Jean-Jacques Hublin, Gottfried Hohmann. Proc Natl Acad Sci U S A. 2011 Jun 14; 108(24): 9792–9797.
  2. Evolution of dietary antioxidants. Benzie IF1. Comp Biochem Physiol A Mol Integr Physiol. 2003 Sep;136(1):113-26.
  3. Nutritional characteristics of wild primate foods: do the diets of our closest living relatives have lessons for us? Milton K. Nutrition. 1999 Jun;15(6):488-98.
  4. Claude Marcel Hladik, Patrick Pasquet. The human adaptations to meat eating: a reappraisal. Human Evolution, Springer Verlag, 2002, 17, pp.199-206.
  5. http://www.schriften.uni-kiel.de/Band%2059/Guenther_59_41-61.pdf

 

 

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