Palmöl kommt mir nicht mehr in die Wohnung!

Verschiedene Bezeichnungen von Palmöl in Pflegeprodukten.

Palmöl ist eher uncool. Deswegen habe ich unseren Haushalt danach durchsucht und erschreckend viele Treffer gelandet.

Palmöl. Oder: Tschüss Indonesien!

Die Rodung von Regenwald für den Anbau von Palmöl-Plantagen verursacht derzeit das größte Artensterben unserer Geschichte. Die Palmöl-Industrie schadet auch der Umwelt – und zwar ordentlich! Durch Abbrennen von riesigen Waldflächen (vor allem in Südostasien) werden Unmengen von Abgasen freigesetzt und der Gesundheit der lokalen Bevölkerung schwer geschadet.

Man könnte meinen, was auf der anderen Seite des Planeten passiert, liegt nicht in unserer Macht. Aber gerade zur Palmöl-Reduktion kann der kleine Konsument sehr großes Bewirken! Es steckt heutzutage in jedem zweiten Supermarkt-Produkt und wird unter verschiedenen Namen in unsere Haushalte geschummelt.

Ungefähr die Hälfte des Palmöls wird für Produkte und Lebensmittel aus dem täglichen Leben verwendet. Die andere Hälfte des Öls wird für Biokraftstoff eingesetzt. Das „Bio“ in diesem Wort ist aber mehr als verfehlt, denn Bio-Diesel ist etwa 2,5-mal schädlicher, als Diesel aus Erdöl.

 

Quelle: global2000.at/palmoel

 

Beim Lesen von Berichten über die Palmöl Industrie steigt in mir der Grant hoch. Ich springe auf und verkünde Johannes in heroischer Szene:

Unser Haushalt soll fortan frei des Palmöls sein!!

Dann esse ich alle Kekse auf. Die müssen ja weg, schließlich ist das Teufelszeug darin enthalten. Irgendwer muss sich ja opfern.

 

Die Palmöl-Razzia. Wo ist Regenwald drin?

 

Guten Morgen! Nach dem ersten Kaffee setzen die Hirnfunktionen langsam ein und ich erinnere mich wieder an meine gestrige Anti-Palmöl-Ansage. Ich mache mich gefasst auf einen Tag der Entzifferung von Inhaltsstoffen. An meinen Kaffee geklammert schlurfe ich ins Badezimmer.

 

Das Badezimmer. Der Übeltäter hat viele Namen.

Die ersten Opfer meiner Razzia sind Duschgel und Shampoo. Siegessicher schnappe ich nach meiner Naturkosmetik. Da wird schon nix drin sein. Und doch lande ich sofort den ersten Volltreffer. Das Alverde Duschgel enthält Palmöl. Na supa. Und mein Yves Rocher Shampoo enthält Lauryl Glucoside. Diese basieren meistens auf dem Öl. Außerdem spuckt der Codecheck auch noch „Achtung Mikroplastik!“ (Acrylates Copolymer) aus. Geh bitte, denk ich mir. Ich dachte, der Mikroplastik-Mist steckt nur in Peeling Produkten.

Nachdem ich aber zwecks Plastik Vermeidung sowieso schon beschlossen hatte, meine Duschgels und Shampoos durch Seifen zu ersetzen, werden auch diese gleich unter die Lupe genommen.

Bei meinen Seifen flammt mir ein Hoffnungsschimmer auf: Keine davon enthält Palmöl! Ich habe diese palmölfreien Seifen über die Wiener Seifenmanufaktur und über den Waschbär Umweltversand gekauft.

Meine Schmink-Lade ist allerdings ein Sammelsurium der Palmöl-Industrie.

Mir entweicht ein leises „Oida“. Meine Mascara, Make-up, Puder und Lippenbalsam, Lippenstifte und Kajals sind Naturkosmetik, aber sie enthalten trotzdem Palmöl. Zwar Bio-Palmöl, für das angeblich kein Regenwald gerodet wird; aber Palmöl steht heute für mich weder Bio, noch konventionell am Programm.

Obwohl die meisten Bad- und WC- Reinigungsprodukte das Öl enthalten, habe ich bei meinen Produkten von Frosch nochmal Glück gehabt. Zwar verstecken sich hinter den chemischen Namen allerhand krebserregender Substanzen… aber kein Palmöl! Yay! Ich setze mir ein gedankliches Memo, mich nach der Arbeit über selbstgemachte Reinigungsmittel aus Essig oder Natron zu informieren.

Auch bei meiner Zahnpasta und Deo habe ich nochmal Glück gehabt. Hätte mir bei meinem Wolkenseifen-Deo aber auch das Herz gebrochen, weil es einfach sensationell ist!

Meine Mitmenschen dürfen sich freuen – ich kann an meinem Palmöl-freien Tag die Wohnung frisch duftend und ohne Hygienemängel verlassen.

Aber ungeschminkt.

…Bumm!

Einige Damen hat das jetzt vielleicht vom Hocker gehaut. Und ich muss euch leider bestätigen: Die Welt ist noch nicht bereit für das konturlose NICHTS meines ungeschminkten Gesichtes. (He Vali, was ist los, bist du krank? … Na servas, hast gestern durchgefeiert?…)

Glücklicherweise gibt es einige Kosmetik Firmen, die versuchen, auf Palmöl zu verzichten und nach nachhaltigen Alternativen suchen. Die Wiener unter uns finden palmölfreie Schminke auch beim Staudigl in der Wollzeile.

 

Palmöl kann viele Namen haben!

Die Küche. Weniger Palme, ergo weniger Fett und Zucker.

Nach dem Massaker im Badezimmer geht’s ab in die Küche. Ich greife zu gesundem nicht-crunchy Vollkorn-Müsli, das ich schon lange dem Crunchy-Palmöl-Müsli vorziehe.

Palmöl findet man meistens in verarbeiteten Lebensmitteln, Fertigprodukten, Frittiertem, Süßigkeiten und Margarine. Anders, als in der Kosmetikindustrie, muss es in Lebensmitteln aber klar als Solches genannt werden. Mit einem Blick auf die Inhaltsstoffe können wir Palmöl deswegen bei Lebensmitteln leicht vermeiden.

Süßigkeiten, Fertigprodukte ect. sollte man sowieso ersatzlos vom Diätplan streichen. Dann hat man auch einen Großteil des Palmöls in der Küche verhindert. Eine Win-Win Situation also!

 

Fazit:

Produkte, die Palmöl enthalten, jetzt hochkant vor die Tür zu setzen ist auch nicht ganz der richtige Weg. Damit nicht nach einem halben Jahr wieder die gleichen Produkte im Kastl stehen, braucht es einen langsamen Umstieg auf nachhaltige, bestenfalls selbstgemachte Alternativen. Die leeren Putzmittel-Behälter kann man dann ja immer noch für selbst gemischte Mittel verwenden.

Mir ist auch klar, dass mein Verzicht nur ein Fliegenpups gegen die Millionenindustrie ist. Aber als Konsumentin kann ich entscheiden, ob mein Geld in Großkonzerne fließt, oder ob ich Kleinbetriebe mit einer nachhaltigen Vision unterstütze.

Oft wird stattdessen Kokosöl verwendet. Das ist zwar eine Spur besser, aber grundsätzlich sollte man wohl versuchen, auf Produkte mit tropischen Ölen zu verzichten.

Ich weiß jetzt, welche Produkte in meiner Wohnung noch ein kleines Öko-Upgrade brauchen und kann die hauseigene Palmöl-Razzia nur jedem ans Herz legen. Man glaubt gar nicht, wie viel abgeholzter Regenwald in den eigenen vier Wänden steckt!

 

Quellen:

https://www.global2000.at/produkte-mit-palmoel

https://www.global2000.at/warum-ist-palmoel-schlecht

https://de.wikipedia.org/wiki/Biokraftstoff#Bedeutung_und_Perspektive

https://utopia.de/galerien/palmoel-produkte-marke-palmoelfreie-alternativen/#1

https://www.youtube.com/watch?v=7aVRYafUnA4

3 Replies to “Palmöl kommt mir nicht mehr in die Wohnung!”

  1. Hallo Valerie,

    mit Faszination habe ich diesen Beitrag gelesen und schließlich war es auch um mich geschehen! Du hast es tatsächlich geschafft, dass ich heute Nachmittag meine Wohnung nach palmöl-lastigen Produkten durchforsten werde 🙂 Ich bin nämlich genau deiner Ansicht: nämlich, dass wir auch etwas zum Wohl der Menschheit, Natur und der Welt beitragen können. Und wenn es nur kleine Anfänge sind – wir können uns schließlich nicht tagaus und tagein über die Probleme der Welt aufregen, wenn wir selbst nicht beginnen, etwas zu verändern.

    In der Küche und im Bad bin ich überaus gewillt, verschiedene Produkte dem Hausmüll zu übergeben – es gibt schließlich Alternativen 😀 aber ich bange um meine Kosmetika. Wenn du selbst in der Naturkosmetik Palmöl gefunden hast, wo soll das nur enden? Ich mag auf vieles verzichten, aber auf meine Kosmetika? Wohl kaum. Ich hoffe, ich finde nicht allzu viel, hege aber kaum Hoffnung. Was meinst du, was für Marken an Kosmetik palmöl-frei sind? Ich hoffe auf die kleinen Marken, die auch keine Tierversuche machen – sprich: Essence, Catrice etc. – hast du vielleicht noch Anregungen?

    LG
    Janine

    1. Liebe Janine,

      Es freut mich sehr, dass dich mein Beitrag inspiriert hat! Du hast recht, palmölfreie Kosmetika gibt es kaum. Bisher habe ich noch keine Marke gefunden, die ausschließlich palmölfreie Kosmetika herstellt. Manche Marken verzichten zwar auf direktes Palmöl, aber Palmöl-Derivate sind in den allermeisten Produkten enthalten.
      Bleibt nur: jedes Teil extra hernehmen und das Etikett auf Palmöl-Inhaltsstoffe inspizieren :/
      Aber mit möglichst kleinen, regionalen Betrieben sind wir, denke ich, schon auf einem guten Weg 🙂

      LG Valerie

  2. […] Blogs. Oje, da gibt’s noch so viel zu tun, denke ich. Schnell gehe ich mir eine Seife kaufen und ersetze feierlich das Plastik-Duschgel. Ein kleiner Schritt für die Duschablage – ein großer Schritt für das […]

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