Plastik Party im Badezimmer – Erkenntnisse aus Zero Waste Bemühungen.

Gegen Plastik mit Zero Waste im Badezimmer

Ein Berg aus Plastik – und ich mitten drin. Als Johannes nach Hause kommt, sieht er mich hysterisch zwischen Kunststoff hervor rudern. Ich wollte nur mal kurz eine Plastik-Razzia in unserem Badezimmer machen.

Ergebnis: Zu. Viel.

Meine ersten Zero Waste Anläufe habe ich ja schon einmal geschildert. Seitdem habe ich viel probiert und absolut Feuer für dieses Thema gefangen! Ich habe verschiedenste Tipps aus der Bloggerszene zur Müllvermeidung ausprobiert – die Erfahrungen dabei waren allerdings manchmal… bunt.

 

Der Plastik Wahnsinn im Badezimmer

Das meiste, unnötige Plastik, haben wir im Badezimmer angesammelt. Egal, welche Schublade oder Regaltüre ich öffne – im Badezimmer schreien mir eigentlich immer irgendwelche Plastik-Verpackungen entgegen. So stehen bei uns zum Beispiel Unmengen verschiedener Putzmittel im Kasten. Die meisten davon habe ich mal von meiner Mama geschenkt bekommen… Offenbar mit dem Hintergedanken, die bunten Farben würden irgendwelche Putz-Gelüste in mir wecken. Weit verfehlt, meine Liebe, weit verfehlt!

Ich sehe mir die Inhaltsstoffe genauer an und wie erwartet, unterscheiden sich die meisten Putzmittel am ehesten bei Parfum und Farbstoff. Das muss doch einfacher gehen, denke ich mir. Könnten da nicht auch nur ein oder zwei Mittel ausreichen? One Putzmittel to rule them all. Oder so. Ich mache mich also auf die Suche nach Tipps zur Herstellung von Universal-Putzmittel.

Jasmin von Schwatz Katz hat in diesem Beitrag ein paar hilfreiche Tipps und Rezepte zu selbstgemachten Putzmitteln auf Lager!

Bei den Produkten zur Körperpflege verhält es sich ganz ähnlich: Tausend Produkte – ein Zweck. Hinzu kommt, dass hierbei das Plastik oft nicht nur außen, sondern auch innen, als Mikroplastik, auflauert. Pfui Teifel. Irgendwann werden wir so viel Plastik in uns angesammelt haben, dass jeder Schritt nur noch quietschen wird.

 

  • Zero Waste Haar- und Körperpflege

Der No-Poo Trend ist zurzeit in aller Munde – bzw. auf aller Schöpfe: Der Hintergedanke (kein herkömmliches Shampoo mehr, sondern Alternativen oder gar keins, zu verwenden) ist sehr nachhaltig und somit wollte ich einen Versuch wagen. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, sich die Haare nicht mit Shampoo zu waschen. Man kann Seifen verwenden, Heilerde, nur Wasser, Natron, oder sich ganz seinem Körpergeruch und -fett hingeben und einfach gar nichts mehr an die Haarpracht kommen lassen.

Zur No-Poo Bewegung habe ich einmal die Bemerkung gelesen, dass Tiere ja auch kein Shampoo zur Fellpflege verwenden. Da ist was dran, denke ich mir. Aber wenn ich’s mir recht überlege… Hundefell verströmt nicht immer den Duft meiner Träume und Katzen verwenden Speichel für ihre Haarpracht. Interessante Gedanken an ein Spucke-Shampoo formen sich – ich entscheide mich dann aber doch dagegen. Sonst denkt er endgültig, dass ich den Verstand verloren habe…

Die Softie-Variante mit Haarseife erscheint mir dann doch sympathischer. Kurze Zeit später rubble ich mir schon mit einer Henna-Haarseife über den Kopf. Die ersten Haarwäschen haben mich echt begeistert: Nach dem Waschen fühlten sich die Haare wunderbar griffig und voluminös an. Nach und nach ist mir aber aufgefallen, dass trotz sorgfältigen Auswaschens immer noch Reste der Seife in den Haaren blieben. Ich wollte mich dadurch nicht entmutigen lassen und habe die Seife – bis auf ein kleines Resterl – verwendet. Meine Haare wurden dadurch aber immer schwieriger zu kämmen und richtig widerspenstig.

  • Vorteil: Haarseife macht die Haare

    Rezept für eine Essig Haarspülung
    Essig für die Selbermacher-Haarspülung: Ein alter Tipp aus den Zeiten unserer Omis. Ein bis zwei Löffel Essig auf einen halben Liter Wasser und dann über den Kopf gekippt. Den Essig dann nur kurz mit kühlem Wasser ausspülen – damit man nicht den restlichen Tag lang nach Salat riecht.

    griffiger und

    lässt sie voluminöser erscheinen.

  • Nachteil: Nach mehreren Anwendungen wurden meine Haare sehr widerspenstig und ich bin mit dem Kamm nicht mehr gut durchgekommen. Für lange Haare also etwas schwierig.

In der Not, mich nicht in einen Klobesen zu verwandeln, musste ich schlussendlich wieder zu Naturkosmetik Shampoo greifen. Und unter uns: Die erste Haarwäsche mit Shampoo war herrlich! Danach hatte ich das Gefühl, Feenstaub am Kopf zu tragen- so leicht und seidig haben sich meine Haare angefühlt! Jetzt verwende ich ungefähr jede zweite Haarwäsche eine Seife. Und das klappt super.

Was Körperseifen betrifft, verstehe ich nicht, warum ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin! Es macht keinen Unterschied, ob ich unter der Dusche Duschgel oder Seife verwende – außer, dass Letztere eben mit deutlich weniger Verpackung auskommt!

 

  • Zero Waste Zahnpflege

Bei selbstgemachter Zahnpasta gibt es verschiedene Varianten. Man kann sich zum Beispiel ein Pulver mit Heilerde-Basis mischen, oder man stellt eine Creme aus Kokosöl her.

Da ich gerne ohne Kokosöl auskommen wollte, habe ich mich für die Hardcore-Variante mit Heilerde entschieden. Ich habe mich gleich ans Werk gemacht und Heilerde mit Natron, etwas Orangenpulver und einem Tropfen Rosmarinöl vermischt. In voller Überzeugung, habe gleich mal meine Zahnbürste in das braune Pulver getupft und motiviert zu putzen begonnen. Mein Spiegelbild grinst mir etwas skeptisch mit braunem Dreck auf den Zähnen entgegen. Das Ganze schmeckt irgendwie… zum Speiben.

Vermutlich war die Mischung auch nicht extra betörend… Minz-Öl wäre besser gewesen – wie zum Beispiel bei den Rezepten von Wasteland Rebel. Trotzdem bin ich stark geblieben und habe mein Pulver etwa einen Monat lang benutzt. Schließlich wurde es mir aber doch zu grausig und ich habe wieder zu Naturkosmetik Zahnpasta gewechselt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass selbstgemachte Zahnpasta aus Kokosöl ein Kompromiss ist – und sicherlich besser schmeckt. Wird nächstes Mal probiert.

 

  • Zero Waste Körperhygiene

Von Stoff-Abschminkpads, Edelstahl-Rasierern, bis hin zur müllfreien Damenhygiene, sprudelt das Internet gerade nur so von Tipps. Mal ehrlich – ich sehe zur Zeit so ziemlich jeden Tag Werbung von der Erdbeerwoche und die Blogs überschlagen sich momentan in der Ent-Tabu-isierung des weiblichen Zyklus. Leute, jetzt reicht‘s dann wieder. Das Thema ist schon ausgeblutet genug! 😎

 

You could do so much more…

Jo. Eh. Aber Less ist manchmal mehr als Zero.

Ich weiß, dass meine Zero Waste Erfolge eher durchwachsen sind. Immer wieder landen, entgegen meiner Überzeugung, Plastik-Tuben im Einkaufswagen. Sei es, weil mich die Zero Waste Methode noch nicht überzeugt hat, ich keine Zeit finde, Produkte selbst herzustellen, oder weil Zero Waste für mich in bestimmten Bereichen an seine Grenzen stößt (zum Beispiel bei Sonnenschutz…).

Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kosmetik lege ich dafür Wert darauf, von kleinen, regionalen Naturkosmetik-Firmen (zum Beispiel BIOselect oder Staudigl) zu kaufen.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass es manche Zero Waster schaffen, ihren Müll auf ein einziges Glas pro Jahr zu reduzieren. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie realistisch solche Angaben sind. Ich denke, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Aber dann betrete ich das Spital für einen neuen Arbeitstag, trage Einweg-Plastik-Schürzen, Plastik-Handschuhe, klebe Kunststoff-Tapeverbände und bin Teil dieses riesigen, täglichen Plastikverbrauchs unseres Gesundheitssystems. Ein Plastikverbrauch, dem wir in diesem Fall lebensnotwendige Hygiene verdanken! Aber ein nachhaltiger Weg wäre hier natürlich ziemlich cool.

Bis dahin spüle ich halt meine Haare mit Do-it-yourself Essigkur und packe meine Einkäufe besten Gewissens ins Stoffsackerl. Und trage meinen eigenen, kleinen Beitrag zur Plastikreduktion bei.

Auch wenn’s – im Großen betrachtet – eigentlich nur ein Fliegenpups ist.

 

 

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