Reducetarians: Manchmal auch ein bisserl brav sein.

Reducetarians: Foodies, die auch ein bisserl was von Welt retten.

Vor Kurzem habe ich die Ernährungsphilosophie der Reducetarians entdeckt. Es war an einem regnerischen Nachmittag, der zum Chillen und Internet Surfen auf der Couch eingeladen hat. *

Beim Reducetarianism (jetzt bitte drei Mal schnell sagen…) geht es um die gesundheitliche und umweltschonende Überzeugung, tierische Produkte am Speiseplan zu reduzieren.  Ähnlich, wie so mancher Ur-Veganer, fallen Reducetarians aber nicht ins Grab der Schande, wenn einmal ein Stück Fleisch oder Käse oder sonstiges tierisches Produkt auf dem Teller landet. Reducetarians setzen sich aber intensiv mit der Herkunft, Herstellung und Wirkung ihrer Lebensmittel auseinander. Sie sprechen sich stark für vegane Ernährung aus. Die ein oder andere Ausnahme macht den Braten aber nicht fett, wie man so schön sagt.

Warum reduzieren?

Reducetarians: Warum reduzieren?
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Humanökologie

Vegan ist also mittlerweile sowas von 2016.

2017 ist das Jahr der Reducetarians. Die Welt sieht voller Staunen auf eine neue Ernährungsphilosophie.

Die ganze Welt? Nein! Eine kleine, grantige Hauptstadt leistet Widerstand.

Reducetarians aufgepasst! Wenn ihr euch zur Zeit in Wien aufhaltet, habt ihr sicher schon gemerkt, dass ihr es mit äußerst schwierigen Zeitgenossen zu tun habt: Wienern!

Die Ernährungstrends, die wir Millenials mit uns bringen, treibt Wien auf nie da gewesene Grant-Höhepunkte. Wiener hassen Veganismus. Sie hassen ihn und das gibt ihnen Grund, ihn zu lieben. Wirf einem Wiener das Wort „Veganismus“ zu – er wird es lustvoll zerfetzen, wie eine frische Scheibe Wurst. Aber kein Grund zur Sorge! Ein Wiener beißt nicht. Er will doch nur spielen.

Reducetarians – Raus aus dem Ganz oder Gar Nicht.

In Wien wird der Tag gern mit kernweichen Eiern, Butter und Schinken begonnen und mit Speck wieder beendet. Wenn’s gesund sein soll, dann ordert der Wiener mittags einen Salat mit Backhendl-Streifen. Und des passt dann scho.

Über den Veganer, der gerade am Nebentisch voll un-vegan ein Stück Pizza seines Gegenübers kostet, wird dann gern hergezogen. Von wegen vegan. Falscher Fuffziger, oida.

Gut, dass die Reducetarians dieses Schwarz-Weiß-Denken jetzt beenden wollen.

Brian Kateman beschreibt in seinem Buch ‚The Reducetarian Solution‘ genau dieses Phänomen: Er sitzt mit Familie und Freunden bei Tisch und greift ausnahmsweise mal zum Fleischteller. Ihm werden Vorwürfe, wie Von-wegen-Veganer-du-Schummler, an den Kopf geworfen und fällt in tiefste Unwürde. In seinem Buch will Brian Kateman mit solchen Vorwürfen aufräumen.

Er feiert pflanzenbasierte Kost als umweltfreundlicher, tierlieber und gesünder. Ohne Doktrinen, ohne Belehren. Olé!

Video-Tipp: Cooler TED Talk von Brian Kateman

Wien, schau nicht weg!

Ich glaube an eine Entwicklung, bei der sich Menschen irgendwann nicht mehr von Leid und verschleuderten Ressourcen ernähren. Und bessere Lösungen finden.

Der erste Schritt dorthin ist, zu wissen, wie das tierische Nahrungsmittel auf dem Teller produziert wurde. Wie hat es gelebt, wie ist es gestorben? Hat die Schlachtung auf einem großen Schlachthof stattgefunden oder direkt am Bauernhof? Und rechtfertigt der gesundheitliche Null-Wert von Speck, Milchprodukten, Süßigkeiten oder Wurst – im Hinblick auf Umwelt, Ethik und Gesundheit – auch deren übermäßigen Konsum? Oder entscheide ich mich mit besserem Gewissen für ein hochwertigeres Produkt? Kann ich die Milchcreme mit dem Wissen über unsere Milchindustrie noch genießen?

Ausschlaggebend ist dabei nicht die endgültige Wahl für oder gegen Fleisch.

Ausschlaggebend ist Hin-Sehen oder Weg-Sehen. Vor der Entscheidung erst einmal noch kurz zu reflektieren. Und eben manchmal auch ein bisserl brav sein – der Umwelt zuliebe! Das allein würde genügen, um Konsum und Tierindustrie aus dem verkorksten Tief zu holen.

 

 

*Okay, es war ur schön draußen und ich war einfach nur faul.

 

 

Lesenswert:

Standard-Gespräch mit Hermann und Thomas Neuburger . Die Inhaber der berühmten Leberkas-Marke plädieren selbst für eine Reduktion des Fleischkonsums.

 

 

 

 

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