Zurück in die Zukunft: Wie wir mit Slow Fashion die Zeit zurückdrehen.

Reduce - nachhaltiger Lebensstil Blog

Slow Fashion, Zero Waste, Eco Lifestyle: Wörter, die das Wiener Hipster-Herz bewegen. Dahinter versteckt sich aber eigentlich nur ein Prinzip: So, wie man’s halt früher gemacht hat. Aber wie kommen wir zurück zum nachhaltigen Oma-Lifestyle? Inspiriert von den Slow Fashion Qualitäten unserer Großeltern, habe ich Tipps für einen nachhaltigeren Kleidungsstil erprobt.

 

„Made in Billig-Land“ – Was bedeutet Fast Fashion?

Fast Fashion: Das sind oft wechselnde Modetrends, billige Produktionen und Kleidungsstücke, die um die halbe Welt reisen. H&M, Zara und Forever21 sind die Spitzenreiter der Fast Fashion, aber auch Designer-Labels sind schon auf den Fast Fashion Zug aufgesprungen. Sie versprechen billige Preise, aber verursachen vor allem Eins: Schrott.

Die Spottpreise sind nur durch große Einbußen der Qualität möglich: Billige Materialien werden unter hohem Chemikalieneinsatz, bei grausamen Arbeitsbedingungen, für unmenschliche Löhne, zu geschmackloser Ware gefertigt.

Fast & Easy oder Slow & Individual

Slow Fashion klingt da schon deutlich exquisiter: Sorgfältige Auswahl der Materialien, umweltschonende Verarbeitung und faire Löhne. Slow Fashion punktet durch einzigartige Produkte und sticht aus der Masse heraus.

Früher hat man Kleidungsstücke für den Preis, der das Teil auch wert war, gekauft. Im Kleiderschrank kugelten keine Drei-Euro-Teile herum, sondern individuelle Lieblingsstücke. Unsere Großeltern kauften sich ausgewählte Stücke nur, wenn sie diese auch brauchten. Und wenn etwas kaputtging, haben sie nicht gleich das Handtuch geworfen, sondern Nadel und Zwirn ausgepackt. Eigentlich war das doch Slow Fashion vom Feinsten.

Im Zuge meiner Fast Fashion Recherchen sehe ich mir auch den Film ‚The True Cost‘ an. Dabei wird mir klar, dass mein Kleiderschrank voller Umweltsünden und menschlicher Verbrechen ist! Am liebsten möchte ich ihn aus dem Fenster werfen! Ich kann ihn aber nicht mal einen Millimeter verschieben, also müssen andere Lösungen her.

 

Tipps für den Umstieg zu Slow Fashion, die ich (nicht) umsetzen konnte.

 

⊗ Re-duce und Re-cycle: Den Shoppingwahnsinn brechen.

  • Den Kleiderschrank ausmisten und Gebrauchtes spenden, verkaufen, oder verschenken.

Heutzutage besitzen wir im Schnitt 4-Mal mehr Teile im Kleiderschrank, als noch 1980. Im durchschnittlichen Kleiderschrank gammeln etwa 20 Teile ungenutzt vor sich hin. Neueste Trends befassen sich deswegen mit der hohen Kunst des Ausmistens.

In diesem inspirierenden Video beschreibt Youtuberin Moin Yamina, wie sie Minimalismus in ihren Kleiderschrank gebracht hat:

Mann, hat die Frau eine angenehme Stimme.

 

  • Kleidung in Zukunft erst mal über Second-Hand-Läden oder nachhaltige Labels suchen.

Wenn ich einkaufe, dann suche ich meistens online nach bestimmten Teilen. Ich war nie besonders für Shoppingtouren zu begeistern. Wenn man mich NICHT treffen will, geht man am besten am Samstagnachmittag auf die Mariahilferstraße.

Online gibt es aber viele großartige Shops mit nachhaltiger Unternehmens-Philosophie: Zum Beispiel Muso Koroni, oder Gary Mash.

 

Slow Fashion: Die Rachel von Gary Mash
Die coolsten Marken kommen halt aus immer noch aus unserem feinen Österreich! So zum Beispiel die wunderbare Rachel von Gary Mash.

 

⊗ Re-pair: Wenn patscherte Esser Farbe bekennen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht als Fashionista geboren wurde. Im Gegenteil, als Physiotherapeutin ist die Jogginghose quasi meine Uniform. Umso größer war da der Stolz, als ich letztens mal eine neue Bluse für ihre Premiere angelegt habe.

Eine Mahlzeit später – wie konnte es anders kommen – waren auch schon fatale Flecken drauf. Nach dem dritten Waschgang war ich kurz davor, die Bluse in den Müll zu werfen und mir eine Neue zu kaufen. Aber das gute Engerl auf meiner Schulter (alias Google) hatte dann doch noch einen besseren Tipp: Alte, vergraute, fleckige Textilien neu färben!

Textilfarbe und Bluse kamen also ab in die Waschmaschine und wenige Stunden später war das Teil wieder wie neu. Durch einfaches Färben in der eigenen Maschine kann man alter Kleidung wieder neues Leben einhauchen. Und die Bluse gehört jetzt wieder zu meinen absoluten Favorites.

 

⊗ Re-use: Clutch, ich will dich haben.

Mit den Jahren kommen Sich-Rausputzen-Events immer häufiger vor – eine Tatsache, die mich regelmäßig vor dem Kleiderschrank ins Schwitzen bringt. Um ein wenig Style-Faktor in meinen Kleidungsstil zu bringen, treffe ich eine Entscheidung, die mir jetzt von Fashionistas Schulterklopfer einbringen soll: Ich möchte eine Clutch kaufen!

Clutch Definition: unpraktisch!

Dass man über willhaben.at wunderbare, gebrauchte Teile bekommt, habe ich schon von vielen Seiten gehört. Bisher habe ich selbst ja nur erfolgreich verkauft. Mein Clutch-Projekt bietet sich da perfekt an, um es mal selbst zu probieren.

Beim Stichwort ‚Clutch‘ spuckt mir Willhaben unzählige Täschchen an – von Billigware, bis hin zu Designerware. Ich finde ein Modell von Miu Miu für erschwingliche 85 Euro. Wow – eine neuwertige Designerhandtasche von einer Marke, die mir bisher nur am Graben im Vorbeigehen zugeglitzert hat. Am nächsten Tag fahre ich auch schon zur Besichtigung und die Besitzerin zeigt mir stolz die Clutch.

Die Tasche ist fleckig und zerrissen. Für eine hinnige Tasche 85 Euro zahlen? Schmäh olé! Und der Traum von der Designer-Clutch ist so schnell wieder vorbei, wie er begonnen hat. Leserinnen können auch schon erahnen, was nach dem unerfüllten Shopping-Traum als Nächstes passiert ist: Ein Frustkauf, oh ja. (In meinem Fall war dies Rosmarin-Öl. Hab gehört, es soll gut für die Haare sein.)

Ich denke, der Einkauf über Willhaben ist großartig, um Besonderes für alle Lebensbereiche zu ergattern. Aber manchmal muss man halt leider auch Enttäuschungen einstecken können.

 

Können wir Alles richtig machen?

Ein Umstieg zur nachhaltigen Slow Fashion Garderobe ist also gar nicht so einfach. Es gibt auch manche Teile, die man einfach nicht in Öko-Stores findet. In einer globalisierten Welt werden wir auch nicht mehr die Regionalität erleben, wie sie von unseren Großeltern noch gelebt wurde. Und das ist in vielen Bereichen auch gut so.

Dennoch bringt die Auseinandersetzung mit dem Thema mehr Nachhaltigkeit und Umwelt-Bewusstsein in die persönliche Garderobe.

(Mein) Ziel von Slow Fashion ist es aber nicht, nur noch heilige Teile im Kasten zu haben. Wir können nicht Alles richtig machen. Aber wir können zumindest unser Bestes geben.

 

 

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