Mein Smartphone und warum es nicht mehr Zeit killt.

Smartphone Abhängigkeit und Sucht

Seit einem Jahr bin ich jetzt schon stolze Besitzerin eines Shiftphones. Shiftphones sind die Smartphones einer deutschen Firma mit wunderbar nachhaltiger Unternehmens-Philosophie: Die Handys sind leicht zu reparieren, Einzelteile sind austauschbar und wurden unter fairen Bedingungen produziert. Außerdem unterstützt das Unternehmen mit einem Teil der Einnahmen Sozial- und Nachhaltigkeitsprojekte, anstatt (mein) Geld in übermäßig viel eigennützige Werbung zu buttern.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, mir dieses Smartphone zu kaufen, war jedoch die Tatsache, dass die Telefone leicht repariert werden können. Denn seitdem ich Konsumtrottel von Sepp Eisenriegler (ein Wiener – juhu!) gelesen habe, investiere ich lieber in reparable Produkte. Heutzutage ist es nämlich üblich, in elektronische Geräte gezielt billige Einzelteile einzubauen, die schon nach kurzer Zeit versagen. So wird sichergestellt, dass sich der Konsument in schön regelmäßigen Abständen immer wieder um ein neues Handy bzw. Elektrogerät umsehen muss.

Bei Shiftphones werden Kunden, ähnlich wie bei Fairphones, durch langjährige Qualität und Reparierbarkeit überzeugt.

Shiftphone: das nachhaltige Smartphone

 

Das Smartphone

aka

„Was in Gottes Namen habe ich die letzten zwei Stunden eigentlich gemacht?!“

Supersüß und so wunderbar ehrlich ist auch die Botschaft, die mein Smartphone mit sich bringt. Kleingedruckt liest man auf der Rückseite und beim Einschalten des Telefons nämlich folgendes:

Shiftphone Warnung
Beim Einschalten des Smartphones wird gewarnt: Smartphones können Zeittöter sein. Es gibt heute kein größeres Geschenk, als die nächsten 24 Stunden. Nütze sie weise. Menschen sind wichtiger, als Maschinen.

 

Smartphones sind die tückischen Zeiträuber unserer Generation.

So sehr wir unsere Smartphones lieben – ein bissl lästig sind sie schon. Durch ständiges Düdeln können sie jeden kreativen Work-Flow verhindern, sie begleiten uns auf Schritt und Tritt und sie kennen all unsere Geheimnisse. Big Brother is watching you.

Smartphones ermöglichen uns außerdem einen einfachen, schnellen Zugang zu sozialen Medien, wie Facebook, Twitter und Instagram. Ich weiß ja nicht, wie’s euch damit geht. Aber bei mir hat das schon dazu geführt, dass ich Arbeitspausen, Busfahrten und Stunden meiner Freizeit ent-hirnt und durch Pinnwände scrollend verbracht habe.

Dabei ist Zeit doch unser wertvollstes Gut: Jeder von uns hat Wünsche und Ziele und den großen Traum, diese irgendwann in Erfüllung zu bringen. Sei es nun, irgendwann mal ein Buch zu schreiben, den Handstand zu lernen, eine neue Sprache zu beherrschen, die Welt zu umreisen, oder Millionen am Konto zu wissen. Und da brauchen wir jetzt keine falsche Bescheidenheit vorspielen – jeder träumt. Und die meisten träumen groß. In Zeit stecken alle erdenklichen Wünsche, Träume, Ziele, Erfolge und – Geld.

Diese Werte schmelzen während dem stundenlangem Scrollen am Smartphone-Bildschirm aber regelrecht davon: Wäre da doch nur nicht diese verflixte Zeit, die irgendwie immer auf sonderbare Weise verpufft, wenn man nur mal kurz am Sofa abgammelt und nur mal kurz Facebook checkt.

 

Wenn das Smartphone zur eigens angelegten Fußfessel wird.

Regelmäßiger Smartphone-Konsum – inklusive Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, E-Mails, WhatsApp und Co. – wirkt sich, einer Studie zufolge, auch auf Körper und Geist nicht besonders toll aus.

Darin wird zur Entstehung einer möglichen Smartphone-Sucht nichts Gutes prophezeit:

  • Verringerte Lebensqualität
  • Stressempfinden
  • Schlafstörungen
  • Verringerte Denkleistung und Gedächtnis
  • Verringerte körperliche Aktivität

Mit großen Augen lese ich über die Auswirkungen einer Smartphone-Sucht. Mein Gott – unsere Smartphones werden uns noch alle dumm und fett machen! Mit schrillenden Alarmglocken muss ich mich erst mal wieder beruhigen. Eine Minute später erwische ich mich schon auf Instagram Bilder starrend. Oi!

Die Warnung meines eigenen Shiftphones wird von jetzt an beherzigt!

 

Der Smartphone-Schlachtplan: Wie wir wieder unsere Freizeit erobern.

Nur um das klarzustellen: Smartphones sind trotzdem, immer noch, ultracool! Ohne meinem Smartphone wäre ich, in voller Orientierungslosigkeit, vermutlich schon hundert Mal in den Straßen Wiens verschollen. Und dank Facebook-Veranstaltungen weiß ich immer, was am Wochenende in der Stadt so abgeht.

Das Gerät soll mir aber nicht mehr meine Zeit und schon gar keine Lebensqualität stehlen! Deswegen muss ein Smartphone-Schlachtplan her!

Im Netz stoße ich auf Apps, die Facebook, Instagram und andere soziale Kanäle zu bestimmten Zeiten auf meinem Handy blockieren können. Will man dann trotzdem seine Facebook-Pinnwand checken, bittet die App zur Kassa. Geiles Geschäftsmodell.

Aber ich will doch nicht süchtig und arm sein! Nein – ich folge der Überzeugung: Nur wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Abhängigkeit vom Smartphone muss ich mittels stählernem Willen bekämpfen.

 

  1. Was soll in der Smartphone-freien Zeit passieren?

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist der Stresspegel meistens hoch und das Energie-Level meistens niedrig. Das ist dann auch der Moment, wo ich zuerst zu etwas Essbarem und dann zum Handy greife, mein Hirn abschalte und durch Social-Media-Kanäle surfe.

Was für eine verlorene Zeit.

Man sollte sich also zunächst überlegen, wie man die Zeit, die man von jetzt an nicht mehr vor dem Handy verbringt, am liebsten investieren möchte. Im Grunde genommen stellt man sich also die Fragen: Was entspannt mich? Und was bereitet mir Freude? Denn es gibt viel intelligentere Methoden, um nach der Arbeit zur Ruhe zu kommen:

  • Mit Kaffee und Buch auf das Sofa kuscheln.

Bücher machen kreativ, intelligent und glücklich. Sie können in allen Lebensbereichen, zu jedem Thema motivieren, verbessern den eigenen Wortschatz und das Gedächtnis. Bücher geben uns eigentlich alles, was wir im Smartphone vergeblich suchen.

  • Ein Instrument spielen oder Musik hören.

  • Den Grant nach einem anstrengenden Arbeitstag im Tagebuch verewigen.

  • Sich einen Power-Nap gönnen und Energie für einen erfüllten Nachmittag tanken.

Nichts geht über Gönnung! 😎

 

2. Smartphone runter vom Esstisch.

Wenn das Telefon immer in sicht- und greifbarer Nähe liegt – wie versklavt ist man dann eigentlich schon durch sein eigenes Telefon? Zu Hause parke ich mein Telefon immer auf einer Kommode, wo es meist friedlich vor sich hin döst.

 

3. Benachrichtigungen und Ton aus.

Vor kurzem habe ich in meinen Handy-Einstellungen unter „Apps“ alle Benachrichtigungen durch Apps ausgeschalten. Es ist sofort eine angenehme Ruhe eingekehrt und der Smartphone-Bildschirm ist nicht mehr mit Benachrichtigungen zugepflastert.

Während Erledigungen, kreativen Tätigkeiten und während dem Lesen, schalte ich mein Handy auf lautlos – nur so kann das Hirn ungestört arbeiten, entspannen oder lernen.

 

4. Minimalistischer Start-Bildschirm.

Ich habe alle Apps vom Start-Bildschirm entfernt. Darauf sieht man jetzt nur noch ein Foto vom letzten Urlaub und die Uhrzeit. Schön!

 

5. Königsklasse: Das Smartphone zu Hause lassen.

Dieses Nackigkeits-Gefühl, wenn man das Smartphone zu Hause vergessen hat. Als hätte man einen Teil seines Gehirns zu Hause gelassen. Es ist ein eindeutiges Zeichen von Abhängigkeit.

Vor ein paar Tagen habe ich erst in der Arbeit festgestellt, dass ich offenbar mein Handy zu Hause vergessen hatte. Zack, und schon war die Laune im Keller. Nach einem Arbeitstag in grantigem Entzug – ohne immer die exakte Uhrzeit zu wissen und ohne stündlich WhatsApp zu checken – habe ich mich schon wieder sehr auf mein Handy zu Hause gefreut. Als ich dann in meine Jackentasche gegriffen habe, musste ich feststellen, dass mein Telefon dort die ganze Zeit auf mich gewartet hatte.

Im Nachhinein betrachtet ist es erschreckend, wie verunsichert ich durch die Abwesenheit vom Handy war. Und noch viel erschreckender, wie erleichtert ich war, meinen Schatz wieder in den Händen zu halten. So muss sich der arme Gollum also gefühlt haben. Um nicht auch irgendwann ein nackiges Wesen mit drei Haaren am Kopf zu sein, das in einem Vulkan sein Ende findet, möchte ich befreiende Smartphone-Unabhängigkeit trainieren.

Ab und zu macht es nichts, wenn man nicht erreichbar ist und es kann ein sehr glückliches Gefühl sein, auch mal ohne der Fußfessel unterwegs zu sein.

Der Herr der Ringe hat also ultra Bildungswert. Danke J.R.R. Tolkien.

 

 

 

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