Unseren Tieren in Österreich geht’s doch gut – Oder?

Wie gut geht es unseren Tieren in Österreich eigentlich?

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich selbst noch zu Fleisch, Milch und Eiern gegriffen. Ethische Bedenken waren für mich immer ein Grund, zumindest bewusst wenig Fleisch zu essen. Ich kannte diese erschreckenden Dokus und Gruselgeschichten über Ferkelkastration, Enthornung, Massentierhaltung und Anbindehaltung. Aber ich war immer der Meinung, sowas sieht man nur in den USA, China, Indien… – und keinesfalls in Europa, schon gar nicht in unserem geliebten Österreich!

Deswegen habe ich im Supermarkt sicherheitshalber immer darauf geachtet, nur Bio-Fleisch und Bio-Milchprodukte zu kaufen und ausschließlich zu Eiern aus Bio-Freilandhaltung gegriffen. Ich hatte dieses Bild vor Augen von Kühen auf der Weide, glücklichen Hühnern, Schweinderln im Schlamm..

Aber wie sieht Tierhaltung und -industrie in Österreich wirklich aus? Eine Frage, die sich jeder verantwortungsbewusste Konsument von Tierprodukten stellen sollte.

 

Fangen wir mal bei Geflügel an.

Die Käfighaltung von Hühnern ist in Österreich mittlerweile verboten. Bestehende Käfighaltung-Betriebe müssen aber erst 2020 geschlossen werden. Eier aus Käfighaltung dürfen weiterhin importiert werden und kommen in der österreichischen Gastronomie und Industrie zum Einsatz.

Bodenhaltung von Geflügel ist in Österreich erlaubt. Dabei werden bis zu 9 Hühnern pro Quadratmetern gehalten. Die Hühner werden durch den Platzmangel aggressiv und verletzen sich gegenseitig – was durch das schmerzhafte Kupieren der Schnäbel erschwert wird.

Bei der Bio-Freilandhaltung wird gewährleistet, dass den Tieren ein Außenbereich zur Verfügung steht. Prophylaktische Gabe von Medikamenten ist verboten (…was aber nicht heißt, dass sie nicht verwendet werden) und es wird Bio-Futter verfüttert.

Die Schlachtung erfolgt meistens in Betrieben, in denen die Hühner vorerst betäubt werden müssen. Dies wirkt leider nicht in allen Fällen, was bedeutet, dass es durchaus Hühner auf unseren Tellern gibt, die das Ausbluten und das anschließende Eintauchen in kochendes Wasser bei Bewusstsein erlitten haben.

Die natürliche Lebensspanne von Hühnern beträgt 10-15 Jahre. In der Industrie erreichen Hühner ein Alter von maximal einigen Augenblicken (männliche Küken von Legehennen), bis zu 1,5 Jahren (Legehennen).

 

Schweine

…müssen lt. österreichischer Tierhaltungsverordnung mindestens genug Platz haben, um sich umdrehen und niederlegen zu können. Freilandhaltung ist dabei nicht verpflichtend – außer in Bio-Haltung. Bio-Schweine haben etwas mehr Platz und bekommen die Möglichkeit, sich zu Suhlen und frische Luft zu schnappen.

In freier Wildbahn würden Schweine bis zu 20 Jahre alt werden. In der Industrie ist ein Schwein bei der Schlachtung etwa sieben Monate alt.

Im Schlachthof fällt bei bis zu 12,5 % der Schweine die Betäubung mittels Elektroschocks oder Vergasung aus. Das bedeutet, dass Einige bei Bewusstsein verbluten und verbrüht werden.

 

Die natürliche Lebenserwartung eines Rindes 

…beträgt 18-25 Jahre. In der Industrie reicht die Spanne von wenigen Monaten (Kalbfleisch) bis zu wenigen Jahren (Milchkühe).

In Österreich ist das grausame Enthornen bei Kälbern und das Halten in lebenslanger Anbindung erlaubt. Auch Bio-Rinder sind vor Anbindehaltung nicht unbedingt gefeit.

Am Ende ihres Lebens werden Rinder in den Schlachthöfen zuerst durch einen Schuss in den Kopf getötet. Wenige Prozent überleben den Schuss leider und sind noch bei Bewusstsein, wenn sie aufgehängt werden und ausbluten.

 

Zum Schluss auch noch ein Wort zur Milchindustrie.

Um Milch zu bekommen, bedarf es einer immer und immer wieder (maschinell) geschwängerten Kuh, deren Kalb sofort nach der Geburt entfernt wird.

Nur so kommen wir an die Milch ran.

Die Kälber werden in Transportern exportiert – in stundenlangen Fahrten, die die Kälber oft nicht überleben. Milch bedeutet, das Leben eines Kalbes zum Wegwerfprodukt zu machen.

Für mich gibt es kaum ein Produkt, das so verschwenderisch, unethisch und unnötig ist, wie Milch.

 

Mit der Erkenntnis, dass im Jahr 2015 etwa 6.423.583 Nutztiere – ca. 17.600 Tiere täglich – nach teils wirklich elendigen Leben diesen letzten, qualvollen Weg durch die österreichischen Schlachthöfe begehen mussten, war für mich ein weiterer Schritt in Richtung pflanzenbasierte Ernährung gesetzt.

 

 

Lesenswert:

http://orf.at/stories/2068451/2068452/ – ORF Bericht aus einem Schlachthof

Quellen:

www.statistik.at

vegan.at

https://www.global2000.at/sites/global/files/import/content/fleisch/Sonntagsbraten_Hintergrundpapier4.pdf_me/Sonntagsbraten_Hintergrundpapier4.pdf

 

 

 

3 Replies to “Unseren Tieren in Österreich geht’s doch gut – Oder?”

  1. […] Übertriebene ethische Bedenken: „Sie machen einen auf Anti-Tierindustrie. Aber den Tieren in Österreich geht’s ja eh gut.“ […]

  2. Hallo Valerie 🙂
    Interessanter Artikel, bin in den letzten 2 Jahren auch vom (sehr extremen) Fleischesser zum Teilzeitvegetarier mutiert. Ich denke vor allem weil ich in nicht vertreten kann ich für jede meiner Mahlzeiten ein Lebewesen umgebracht wird.

    Freu mich wenn du weiter schreibst!

    Bis bald

    1. Lieber Martin,

      Ja, ich denke, sobald man sich in dieses Thema vertieft – sei es auf ethischer, ökologischer oder gesundheitlicher Ebene – beginnt man schnell, seinen Tierprodukte-Konsum zu reduzieren. Ein sehr, sehr spannendes Thema 🙂 Freut mich auf jeden Fall, dass du auf meinem Blog vorbei geschaut hast! Weitere Artikel sind in Arbeit, kann sich bei meinem Schneckentempo also nur noch um Monate handeln ^^

      Ganz liebe Grüße,
      Valerie

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