Zero Waste – der Beginn einer (komplizierten) Liebesgeschichte

Zero Waste, plastikfrei und vegan in Wien.

Zero Waste… Der Tag, an dem Alles begann!

Freitag Abend, Johannes und ich finden uns wie gewohnt auf der Couch ein. Heute steht Before the Flood, die neue Umwelt-Doku von Leonardo DiCaprio, am Programm.

Bilder von schmelzenden Polkappen, gerodetem Regenwald und saublöden Präsidenten lassen uns öfters schlucken, als das schlimmste Schweigen der Lämmer.

Während dem Abspann sitzen wir still nebeneinander. Schwere, traurige Musik unterstreicht die eine Frage, die jetzt wie ein Damoklesschwert über uns hängt.

Was können wir besser machen?

Dieser Frage widme ich mich aber erst nachdem wir uns zur allgemeinen Stimmungsverbesserung Asterix bei den Römern angesehen haben.

 

Mit frischer Motivation durchforste ich das Internet nach Möglichkeiten, diesen Planeten zu retten.

Ich fange mit den kleinen Tipps für den Alltag an, die man schnell umsetzen kann. Und glücklicherweise stelle ich fest, dass unser ökologischer Fußabdruck gar nicht so schlecht ist! Einige Umweltpunkte hatten wir bereits umgesetzt.

Ganz stolz bin ich zum Beispiel, als Johannes mir erklärt, dass wir schon seit Jahren Ökostrom-Bezieher sind. An unserer Türe klebt außerdem ein Zettelchen, das die Werbesackerl-Austeiler darauf aufmerksam macht, dass sie sich ihre Werbung behalten können. Und dank unserer chonischen Haushalts-Aufschieberitis, geht unser Wäschekorb regelmäßig über und somit waschen wir nur mit voller Waschtrommel. Auch unsere seltene Nutzung des Staubsaugers kommt der Umwelt sehr zugute. Wenn ich’s mir recht überlege, ist unser Reinigungsverhalten generell sehr umweltschonend. Vielleicht werde ich dieses Argument beim nächsten Mama-Besuch einsetzen.

Ich klopfe mir stolz selbst auf die Schulter. Das ist ja mal ein Anfang.

Ich lese weiter und begegne immer wieder den gleichen Empfehlungen. Da steht zum Beispiel: Den persönlichen Stromverbrauch senken und das Konsumverhalten ressourcenschonender gestalten.

Gelesen, getan.

 

Umstieg auf Energiesparlampen

Das war schon ein schwieriges Unterfangen. Wir haben so eine kitschige Lampe mit mehreren kleinen Glühbirnchen, die in glitzernden Glaskugeln stecken. Eine Lampe, wie sie nur im Zimmer einer Prinzessin hängen kann ❤️ Aber leider bei meinem Ökotest durchgefallen.

Die LEDs sind schnell gekauft, die glitzernden Glaskugeln abmontiert, die Hälfte davon dabei gebrochen und zerstört, deswegen über die Welt und alle Menschen geschimpft, Lampen gewechselt und festgestellt, dass die sterblichen Überreste der glitzernden Glaskugeln nicht mehr über die neuen LEDs drüber passen. Nochmals über die Welt und alle Menschen geschimpft. Jetzt haben wir eine grottenhässliche Lampe mit nackten, kleinen LEDs. Macht nix, schaut eh keiner rauf 😎

Das Thema Beleuchtung ist damit aber leider nicht erledigt… Da gibt es zum Beispiel noch die Spots, die in unserem Vorzimmer und Bad in die Decke eingebaut sind. So sehr ich sie auch niederstarre, mir erschließt sich keine Möglichkeit, wie ich die Dinger austauschen soll, ohne einen Schlagbohrer in die Hand zu nehmen. Das darf nicht passieren.

 

Unverpackte Lebensmittel von Kleinbetrieben kaufen

Früher bin ich immer in den Supermarkt gegangen und habe wie ferngesteuert nur zu Bio Produkten gegriffen – die leider auch oft in Plastik verpackt sind. Aber das ist ja kein richtiges Plastik, sondern soeine verrottende, organische Variante, die einem das Gefühl gibt, ein besserer Mensch zu sein.

Getrieben von Nachhaltigkeits-Anti-Supermarkt-Gedanken, habe ich dann nach Bauernläden in Wien gegoogelt. Und siehe da – ganz in der Nähe von mir gibt es den Bauernladen Helene! Ganz motiviert bin ich gleich hingegangen – und vor verschlossenen Türen gestanden. Nachdem ich mich mit dem Gedanken abgefunden hatte, dass Helene auch nur ein Mensch ist und mit Supermarkt-Schichtdiensten nicht mithalten kann, habe ich am nächsten Tag schließlich doch noch Äpfel, Kürbisse und Erdäpfel unverpackt und mit meiner eigenen Stofftasche erbeutet. Ein noch breiteres Angebot an Obst und Gemüse fand ich im Pop-up Store Arche Noah (Pop up Store – mega cool). Da schlägt das vegane Herz gleich höher!

 

Plastikfrei, saisonal und regional einkaufen in Wien.
Die Ausbeute aus dem Pop up Store Arche Noah. Plastikfrei, saisonal und regional!

 

Ich habe mich schließlich wieder vor dem Computer eingefunden und tauche noch tiefer in die Welt des Umweltschutzes ein. Und treffe sogleich auf die Königsklasse: Zero Waste!

 

Nächste Stufe: Go Zero Waste

Mit großen Augen stoße ich auf unzählige Zero Waste Blogs. Oje, da gibt’s noch so viel zu tun, denke ich. Schnell gehe ich mir eine Seife kaufen und ersetze feierlich das Plastik-Duschgel. Ein kleiner Schritt für die Duschablage – ein großer Schritt für das Badezimmer!

Mittlerweile warten auch schon papierverpackte Haarseifen auf ihren Einsatz, aber da muss ich erst noch mein 2-in-1-Familien-Pack Shampoo aufbrauchen.

Ich stöbere weiter durch die Zero Waste Blogs und werde ganz verliebt in diese tollen Menschen. Ein bisschen auch in den Gedanken, seltener den Müll rausbringen zu müssen.

Ein einziges Einmachglas Müll nach einem ganzen Jahr. Magic.

 

Als ich schlussendlich bei der Po-Dusche zur Vermeidung von Klopapier ankomme, beschließe ich, dass jetzt Schluss ist mit Internet Surfen. Das mit dem Zero Waste wird wohl doch noch ein längeres Projekt.

 

 

5 Replies to “Zero Waste – der Beginn einer (komplizierten) Liebesgeschichte”

  1. Mit dem Thema habe ich mich vor einer Weile auch beschäftigt, bei mir war das Buch „No Impact Man“ der Auslöser. Die Klopapier Sache ist in der Szene anscheinend ein großes Thema

    Wollte mir sogar eine Wurmbox zulegen, habe aber Mal mit einem einfachen Biokübel angefangen.. Schande

    Wenn du mir ein Bild von den Spots schickst, kann ich dir vielleicht sagen wie du die aufbekommst.

    1. Das Buch hab ich gleich gegoogelt, sieht sehr spannend aus!
      Und ich überlege auch schon länger wegen einer Wurmbox, find ich richtig cool 😀
      Mittlerweile wissen wir schon, wie man die Spots tauschen könnte, aber das schieben wir noch bisschen vor uns her >.<

  2. […] Fashion, Zero Waste, Eco Lifestyle: Wörter, die das Wiener Hipster-Herz bewegen. Dahinter versteckt sich aber […]

  3. […] ich aber zwecks Plastik Vermeidung sowieso schon beschlossen hatte, meine Duschgels und Shampoos durch Seifen zu ersetzen, werden auch […]

  4. […] Meine ersten Zero Waste Anläufe habe ich ja schon einmal geschildert. Seitdem habe ich viel probiert und absolut Feuer für dieses Thema gefangen! Ich habe verschiedenste Tipps aus der Bloggerszene zur Müllvermeidung ausprobiert – die Erfahrungen dabei waren allerdings manchmal… bunt. […]

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